Interview mit dem Beiratsvorsitzenden Udo Reinke aus Preetz:
Modernisierung die große Herausforderung für
Wohnungseigentümergemeinschaften
Der Handlungsbedarf ist enorm, die Gesetze erleichtern die Entscheidungsfindung,
Fördermittel stehen bereit und doch tun sich
Wohnungseigentümergemeinschaften schwer, dringend erforderliche
Instandhaltungsmaßnahmen anzupacken. Warum das so ist und wie
man mögliche Hindernisse aus dem Weg räumt, darüber
sprachen wir mit Udo Reinke, dem Beiratsvorsitzenden der
Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) Zappenweg 8 in Preetz.
Frage: Herr Reinke, Sie und Ihre Nachbarn konnten kaum erwarten, dass die Arbeiten
zur Modernisierung Ihrer Wohnanlage begannen. Was gab den Ausschlag dafür,
dass sich Ihre WEG dafür entschieden hat?
Udo Reinke: Unsere Wohnanlage stammt aus dem Jahr 1968, ohne dass bis 2008
nennenswert in das Gebäude investiert wurde. Dass die 40 Jahre nicht spurlos
an dem Haus vorübergingen, sah man auf den ersten Blick. Einige Bewohner
beklagten zunehmend, dass sie „zum Fenster raus“ heizen. Und dann
waren da noch die wankendorfer Mietwohnungsanlagen, die modernisiert in
schönstem Glanz erstrahlten... Das alles hat uns als Beirat aktiv werden lassen.

Backstein dämmt nicht mehr genug. Deshalb sollten Wohnanlagen aus den
50er und 60er Jahren schnell energetisch modernisiert werden.
Frage: Und Sie haben dann mit den anderen Eigentümern
darüber gesprochen?
Udo Reinke: Wir sind 21 Eigentümer, die zu ihren Wohnungen ein
ganz unterschiedliches Verhältnis haben. Da ist man nicht automatisch
gleich einer Meinung. Deshalb haben wir als Beirat erst mal weitere
Informationen eingeholt, damit wir überhaupt eine vernünftige
Diskussionsgrundlage hatten.
Frage: Wie sah die Informationssammlung aus?
Udo Reinke: Unsere Wohnanlage wurde von Anfang an von der wankendorfer verwaltet.
Und da wir die schönen, modernisierten Wohnanlagen der Genossenschaft kannten,
haben wir die wankendorfer zu Rate gezogen. Planer und Techniker haben dann einen
Maßnahmenkatalog aufgestellt, der sich in zwei Teile gliederte: in die
Maßnahmen, die wir umsetzen müssen, damit das Haus nicht marode wird,
und solche, die man sinnvollerweise machen könnte. Diesen Katalog hat die
wankendorfer mit ihren Fachleuten auf mehreren Eigentümerversammlungen
vorgestellt und wir haben darüber diskutiert.
Frage: War damit der Weg klar für die Modernisierung?
Udo Reinke: Ehrlich gesagt: nein. Viele von uns entwickelten zwar eine
Vorstellung, was das Beste für unsere Wohnanlage wäre. Aber es gab
auch gegenteilige Meinungen, zum Beispiel, wenn Eigentümer aus Altersgründen
nicht mehr investieren wollten, sie die Wohnung nicht selbst nutzen und so weiter.
Frage: Hat da nicht die neue Gesetzgebung geholfen,
nach der ein Beschluss zur Modernisierung nicht mehr einstimmig fallen muss,
sondern eine Zweidrittelmehrheit ausreicht?
Udo Reinke: Theoretisch ja. Denn die Zweidrittelmehrheit ist dann ausreichend,
wenn es sich um eine „modernisierende Instandhaltung“ und nicht um eine
bauliche Veränderung handelt. Aber gerade das hat ein Eigentümer
angezweifelt und Rechtsmittel eingelegt. Inzwischen ist klargestellt: Die
von uns geplanten Maßnahmen sind eine „modernisierende Instandhaltung“
und wir haben sogar einen einstimmigen Beschluss dafür!
Frage: Das ist natürlich das Beste.
Was hat die Kritiker überzeugt?
Udo Reinke: Da kamen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen konnten wir
Fördermittel beanspruchen. So kostet die ganze Modernisierung jeden
Eigentümer nicht mehr als durchschnittlich 60 Euro im Monat.
War das Gebäude dann energetisch auf dem neuesten Stand, konnten
wir die Hausgeldkosten senken, so dass die Modernisierung quasi kostenneutral
ist. Das war zum Beispiel für unsere älteren Eigentümer wichtig.
Für die Vermieter unter uns war der Energieausweis das schlagende Argument:
Denn im vorherigen Zustand der Wohnanlage hätte der Blick in den
Energieausweis jeden neuen Mieter abgeschreckt und dem Eigentümer
Leerstand beschert. Also kam auch für die Vermieter nur die
Modernisierung in Frage.
Frage: Können Sie uns noch mehr zu den
Fördermitteln sagen?
Udo Reinke: Die kamen ins Spiel, als wir über die
„Muss“- und „Kann“-Maßnahmen diskutiert
hatten und zu einer Entscheidung kommen mussten. Da hat uns die wankendorfer
drei „Modernisierungspakete“ geschnürt und die Kosten
dafür ermittelt. Um Fördermittel aus dem CO
2-Gebäudesanierungsprogramm
zu erhalten, muss die Fassade mit einem Vollwärmeschutz ausgestattet sein und
die Dach- und Kellerdecken müssen isoliert werden. Da fiel das kleinste
Modernisierungs-Paket schon raus. Die Fachleute von der wankendorfer haben
uns Laien anschaulich erklärt, dass ein Vollwärmeschutz nur sinnvoll
ist, wenn man auch die Kellerzugänge isoliert, damit sie keine
„Kältebrücke“ bilden. Und da unser Dach zwar noch
ein, zwei Jahre ausgehalten hätte, aber dann zur Erneuerung fällig
gewesen wäre, war es günstiger, das jetzt gleich mit zu beauftragen,
als in zwei Jahren das teure Einrüsten noch einmal zu bezahlen und wieder
auf einer Baustelle zu leben.
Frage: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit
der wankendorfer?
Udo Reinke: Also, ohne das Wissen und die Erfahrung der
wankendorfer Fachleute wären wir mit unserem Vorhaben schnell
an Grenzen gestoßen. Was Planung und Technik angeht, hat die
wankendorfer jederzeit die richtigen Leute, die auch bauunerfahrenen
Eigentümern verständlich machen können, was wichtig ist und was
man für eine richtige Entscheidung beachten sollte. Und für
Rechts- oder Finanzierungsfragen kamen
dann externe Partner hinzu wie beispielsweise die Investitionsbank.
Bei Kleinigkeiten hat man manchmal das Gefühl, dass die Wege in
so einem großen Unternehmen wie der wankendorfer länger
sind, aber schließlich entscheidet das Ergebnis. Die wankendorfer
ist auch nicht die billigste. Aber unterm Strich fahren wir durch die
vielen günstigen Konditionen, die wir als wankendorfer WEG nutzen
können, auch kostenmäßig gut.

Investitionen in Wärmedämmung zahlen sich doppelt aus: Sie werden
finanziell gefördert und sparen bis zu ein Drittel Heizenergie!
Frage: Herr Reinke, bei Ihnen im Zappenweg
wurde die Entscheidung für eine energetische Sanierung getroffen.
Was empfehlen Sie Wohnungseigentümergemeinschaften, die das Thema
Modernisierung noch angehen wollen?
Udo Reinke: Vor allem eins: schnell sein! Wir haben mit unserer
Entscheidungsfindung, auch wegen des Rechtsstreits, etwa ein Jahr gebraucht.
Allein in dieser Zeit sind die Preise für Dämmstoffe um über
20 Prozent gestiegen! Und die Preisspirale wird sich weiter nach oben drehen,
denn Modernisierung ist ein Riesenthema. Natürlich ist auch der Inhalt
in den Fördertöpfen begrenzt. Noch stehen
Mittel zur Verfügung, aber wie lange noch und zu welchen Konditionen,
kann sich spätestens beim nächsten Regierungswechsel schnell wieder
ändern.
Also: nicht zögern, sondern anpacken! Und was ich wohl nicht extra
betonen muss: Man sollte sich einen Verwalter suchen, der sich bestens
mit energetischer Modernisierung auskennt so wie die wankendorfer!